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Kausalität des Geraderichtens

Feine Hilfen
Feine Hilfen
11/2015

Die Geraderichtung ist der bedeutendste Punkt auf der Skala der Ausbildung, sagen Klaus Schöneich und Gabriele Rachen-Schöneich, die Begründer der Schiefentherapie. Ihrer Philosophie nach können etwa Takt, Schwung und Losgelassenheit nur erreicht werden, wenn das Geraderichten durch Arbeit über die Kreisbögen vorgenommen wird.


Da alle Pferde ohne Ausnahme und unabhängig von Rasse, Zucht oder Abstammung Fluchttiere sind, kann man davon ausgehen, dass alle nicht durch die Ausbildung geradegerichteten Pferde grundsätzlich eine biomechanische Gemeinsamkeit zeigen: die genetische Reaktion des Fluchttiers (siehe Abbildungen 1 und 2). Pferde zeigen alle die gleiche Reaktion auf äußerliche Einflüsse, sie antworten mit mehr oder weniger gleichen Stresszeichen, benutzen die gleichen Muskeln, um auf plötzlich auftretende potenzielle Gefahrensituationen zu reagieren. Sollten wir nun Forderungen an sie stellen, zum Beispiel indem wir von ihnen etwas verlangen, was sie nicht kennen – sagen wir eine Volte –, versuchen sie, sich selbst zu helfen. Das tun sie durch den Einsatz von «Rettungsankern»: Zentrifugal- und Scherkraft. Diese beiden Kräfte reagieren in Abhängigkeit von der händigen und nicht händigen (dominanten und nicht dominanten) Körperseite; Scherkraft auf der händigen, Zentrifugalkraft auf der nicht händigen Seite.


Text: Gabriele Rachen-Schöneich und Klaus Schöneich